In Ergänzung zur strategischen Neuausrichtung des Bildungsressorts und der „Bildungsziele 2035“- Agenda rückt eine neue, auf empirische Modellrechnungen basierende Debatte in den Fokus: bessere Bildung als wesentlicher Treiber für nachhaltiges Wirtschaftswachstum. Die aktuelle Studie des ifo Zentrums für Bildungsökonomik im Auftrag der Bertelsmann Stiftung zeigt deutlich, wie groß die volkswirtschaftlichen Potenziale sind, die im deutschen Bildungssystem noch ungenutzt bleiben.
Bildung als langfristig angelegte Wachstumsstrategie
In der Studie „Volkswirtschaftliche Erträge besserer Bildung“ werden wirtschaftliche Effekte simuliert, die entstehen können, wenn die Bildungsziele 2035 konsequent umgesetzt werden. Zu diesen gehören eine deutliche Reduktion unzureichender Basiskompetenzen und die Steigerung des allgemeinen Bildungsniveaus.
Den Modellsimulationen zufolge würde ein Bildungssystem, das Deutsch- und Mathematikkompetenzen in der Bildungslandschaft sowohl in der Breite als auch in der Spitze verbessert, über die kommenden achtzig Jahre 20,9 Billionen Euro an zusätzlicher Wirtschaftsleistung generieren. Das entspricht etwas dem Fünffachen des heutigen deutschen Bruttoinlandsprodukts. Dabei profitieren alle Bundesländer von einer Kompetenzsteigerung.
Bildung wird dabei nicht allein als soziale und kulturelle Aufgabe verstanden, sondern als Schlüsselfaktor für die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der Bundesrepublik: Potenzial für Innovation, Produktivität und gesellschaftliche Teilhabe durch bessere Kompetenzen der Lernenden.
Wissenschaftliche Evidenz trifft politische Verantwortung
Die Studie stützt sich auf wissenschaftliche Zusammenhänge zwischen dem Bildungsniveau und langfristigem Wirtschaftswachstum und zeigt, wie stark sich Kompetenzverbesserungen auf die gesamtwirtschaftliche Leistung auswirken. Damit ergänzt sie die bildungspolitische Leitlinie der „Bildung 2035“-Strategie um ein ökonomisches Argument. Bildungspolitik ist nicht nur sozial gerecht und bildungswissenschaftlich geboten. Es zeigt sich abermals, dass dies eine nachhaltige Investition in die Zukunftsfähigkeit eines Landes ist.
Je eher und entschiedener strukturelle Verbesserungen, etwa bei Lehr-Lern-Qualität, frühkindlicher Förderung und Übergangsmanagement, umgesetzt werden, desto größer sind die langfristigen Erträge für Staat, Gesellschaft und Arbeitsmarkt. Dazu zählt auch eine Stärkung der Weiterbildungsbranche, ganz im Sinne politischer und gesellschaftlicher Transformationsbestrebungen.
Die Studie unterstreicht, dass Investitionen in Bildungsqualität nicht kurzfristig wirken, sondern sich über Jahrzehnte entfalten. Politische Entscheidungsträger*innen stehen damit vor der Herausforderung, die Bildungsagenda über Legislaturperioden hinaus zu verankern – und damit nicht nur bildungs-, sondern auch wirtschaftspolitisch Verantwortung zu übernehmen.
Zur Studie: Volkswirtschaftliche Erträge besserer Bildung