Integrationskurse gestoppt – was das für Teilnehmende, Träger und Arbeitsmarkt bedeutet

Der Stopp freiwilliger Integrationskurse verändert Zugänge zu Sprache und Integration – mit Auswirkungen auf Fachkräftesicherung und Bildungsträger.

Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) informierte in ihrem Schreiben 02/26 an die Träger den faktischen Stopp der Ausstellung von freiwilligen Integrationskurs-Berechtigungen. Davon betroffen sind insbesondere Asylbewerber*innen, Menschen mir Duldung-Status, Geflüchtete aus der Ukraine sowie EU-Arbeitsmigrant*innen.  

Für ca. 130.000 Menschen im Jahr 2026 besteht damit kein kostenfreier Zugang zu Integrationskursen. Das entspricht etwa 40 Prozent der potenziellen Kursteilnehmenden. Damit entfällt für viele Menschen der niedrigschwellige Einstieg in Sprache und Orientierung.  

 

Erhebliche Auswirkungen für die Bildungspraxis  

Der Wegfall freiwilliger Berechtigungen destabilisiert das System hinter dem Gesamtprogramm Sprache weiter: 

  • Fehlende Teilnehmende sorgen für wirtschaftliche Schieflage bei Trägern bis hin zur Existenzgefährdung 

  • Angebotsstrukturen geraten ins Wanken – auch für Anspruchsberechtigte 

  • Im ländlichen Raum droht ein Rückgang von Kursangeboten 

Für viele freiberufliche Lehrkräfte bedeutet der Kursstopp konkret den Verlust von Planungssicherheit – teils auch ihrer beruflichen Existenzgrundlage. 

 

Sprachförderung als zentrale Voraussetzung für Integration 

Sprachförderung ist keine freiwillige Zusatzleistung, sondern zentrale Voraussetzung einer funktionierenden Arbeitsmarktintegration, gesellschaftlicher Teilhabe und sozialer Stabilität. Angesichts des Fachkräftemangels und des demografischen Wandels ist eine Einschränkung von Sprachförderung integrations-, wirtschafts- und sozialpolitisch eine klare Fehlsteuerung. 

Viele der vom jetzigen Integrationskursstopp betroffenen Menschen werden langfristig in Deutschland bleiben. Verzögerte Integration führt dabei nicht zu Einsparungen, sondern zu höheren gesellschaftlichen und fiskalischen Folgekosten.  

Wir schließen uns dem BBB an und fordern:  

  • Wiederaufnahme freiwilliger Integrationskurs-Berechtigungen 

  • Dauerhaft tragfähige Finanzierung 

  • Reform struktureller Fehlsteuerungen 

  • Planungssicherheit für Träger 

 

Ansprechperson: Dr. Till Werkmeister

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