Kurzfristiges Aufatmen bei Trägern: Integrationskurse erhalten dringend benötigte Mittel für 2025 – Herausforderungen bleiben

Mitte Mai 2025 wandten sich der Bildungsverband der Träger beruflicher Bildung (BBB) und der Verband Deutscher Privatschulverbände (VDP) mit einem dringlichen Appell an die Bundesregierung. Nun bestätigte das Ministerium der Finanzen die Bereitstellung zusätzlicher Mittel in Höhe von 300 Millionen Euro.

Mitte Mai 2025 wandten sich der Bildungsverband der Träger beruflicher Bildung (BBB) und der Verband Deutscher Privatschulverbände (VDP) mit einem dringlichen Appell an Bundesfinanzminister Lars Klingbeil und Staatsministerin Natalie Pawlik. Hintergrund war die drohende Finanzierungslücke im Bereich der Integrationssprachkurse. Der letzte Beschluss des Haushaltsausschusses im Jahr 2025 sah eine Finanzierung nur bis Juli 2025 vor. 

Mittlerweile hat das Bundesministerium der Finanzen reagiert. In der Antwort auf das Schreiben der Verbände bestätigte das Ministerium die Bereitstellung zusätzlicher Mittel in Höhe von 300 Millionen Euro.  

Damit können die Integrationskurse im Jahr 2025 fortgesetzt werden.  Die Zusage gibt vielen Trägern und Lehrkräften, deren Arbeit durch die unklare Finanzierungslage stark unter Druck geraten ist, zumindest vorübergehend eine dringend benötigte Perspektive. Angesichts des anhaltenden Fachkräftemangels und des demografischen Wandels ist dies ein positives Signal – wenn auch nur ein erster Schritt. Auch der immer wieder hervorgehobene Finanzierungsvorbehalt der Bundesregierung trägt weiter zur angespannten Lage bei. 


Strukturelle Probleme bleiben weiterhin ungelöst 


So erfreulich die kurzfristige Lösung auch ist: Der strukturelle Reformbedarf des Gesamtprogramms Sprache bleibt bestehen. Seit Längerem fordern Bildungsverbände eine umfassende Aufwertung der Integrations- und Berufssprachkurse. Im Fokus stehen dabei: 

  • Eine auskömmliche Finanzierung, die sich am tatsächlichen Bedarf orientiert 

  • Planungssicherheit für Träger und Lehrkräfte durch verlässliche Haushaltsansätze 

  • Verbindliche Zahlungsfristen von 30 Tagen statt der derzeit üblichen 90 Tage 

  • Eine Anhebung des Kostenerstattungssatzes, der derzeit nicht kostendeckend ist 

  • Bessere Arbeitsbedingungen und faire Vergütung für Lehrkräfte 

  • Investitionen in digitale Infrastruktur und Weiterbildung 

  • Mehr pädagogischer Spielraum für flexible und individuelle Lernwege 

 


Sprache als Schlüssel zur Integration und zum Zugang zum Arbeitsmarkt 


Sprachförderung darf nicht als isoliertes Bildungsangebot betrachtet werden, sondern als essenzielles Element der Integrations- und Arbeitsmarktpolitik. Sie schafft Teilhabe und eröffnet berufliche Perspektiven. In Zeiten, in denen Unternehmen händeringend nach Fachkräften suchen, ist es kaum vermittelbar, dass Sprachkurse weiterhin unterfinanziert und schwer planbar bleiben – vor allem, wenn der Zugang zu Ausbildung und Beschäftigung direkt vom Nachweis zertifizierter Deutschkenntnisse abhängt. 

Die kurzfristige Sicherung der Integrationskurse ist ein Erfolg – aber kein Grund zur Entwarnung. Damit das Gesamtprogramm Sprache seine Wirkung langfristig entfalten kann, braucht es tragfähige Strukturen, faire Rahmenbedingungen und eine klare politische Prioritätensetzung

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